Forschungspredigt – Erfahrungsbericht

Ist zwar jetzt schon ein paar Wochen her, aber ich berichte doch noch über meine letzte experimentelle Predigt. Die Methode nenne ich mal: Forschungspredigt

Dazu ging ich folgend vor. Ich suchte mir einen Bibeltext aus (1.Thessalonicher 5,12-22) und setzte mich über die „Brauchbarkeit“ für die folgende Predigt auseinander (leicht verständlich, in sich geschlossen und verständlich ohne große Hintergrundinfos usw.). Ich schrieb im Pc je einen Vers auf ein Blatt und fügte verschieden Bibel-Kommentare zu dem jeweiligen Vers ein, die ich in meinen Bibelprogrammen, im Internet und in Bibliotheken zusammen gesucht hatte. Bücher aus Bibliotheken kopierte ich und klebte ich unten an das Blatt. Außerdem schrieb ich zu jedem Vers alle Parallelvers die ich finden konnte (Dank eines geilen Programms ca. 15 Stück pro Vers). So wurden alle 10 Verse verteilt im Raum aufgehangen. Die Einleitung der Predigt macht ich in einem Kurzreferat über den Kontext des Bibeltextes: die Gemeinde in Thessalonich, Zeit und Ort des Schreibens, etc. Außerdem gab ich eine kleine Einführung in die Arbeit mit Kommentaren und christlichen Lexika: Bedeutung von Abkürzungen, Umgang mit Fremdwörtern,
reflektierter/ kritischer Umgang mit Kommentaren usw.
Nun konnte es losgehen, der gesamte Bibeltext stand per Beamer an der Wand und jeder konnte sich aussuchen, wonach er forschen und sich informieren wollte: einen Vers, einen Abschnitt, ein Wort was interessierte, what ever… Zur Hilfe gab es einen kleinen Laufzettel mit Aufgaben und Hilfestellungen, den man nutzen oder verwerfen konnte (siehe unten). Ich saß an dem Tisch in der Mitte um Fragen zu beantworten (soweit das ging), in Bibelprogrammen nach Wörtern/ Verse usw. zu suchen, beim Umgang mit christlichen Lexikas zu helfen usw.
Nach ca. einer halben Stunde kamen wir wieder zusammen und berichteten uns gegenseitig, wo wir forschten und zu was für Ergebnissen wir kamen.
Ich schrieb die Themen an dem Pc mit Beamer Anschluss mit, so dass jeder die Fragen und Ergebnisse sehen konnte.

Fazit:

  • Manche Leute schalteten ab, als sie selber etwas erarbeiten mussten. Sie wollten lieber konsumieren (was auch ok ist). Das muss einem bewusst sein.
  • Für manche war die Zeit zu kurz, um sich richtig zu vertiefen und sie hätten gerne mehr Zeit gehabt. Manche waren nach 15 Min fertig und unterhielten sich, wo sich dann andere schlechter konzentrieren konnten.
  • Manche strahlten über beide Augen und hatten neue Erkenntnisse.
  • In der Runde zum Schluss flammten Diskussionen auf, die moderiert werden müssen. Achtung: Die Zeit rinnt sehr schnell dahin, da Leute mit ihren Erkenntnissen glühen.
  • Teilweise geht das Erforschte vielleicht nicht so weit in die Tiefe, wie man es sich als Theologe wünscht, aber dafür kommt das Wissen aus den Leuten selbst…

Pädagogische Vorteile der Predigt-Methode:

  • Durch aktive und eigenständige Mitarbeit kann man sich mehr merken und damit mitnehmen.
  • Leuten setzen sich nur damit auseinander, was sie selbst anspricht und interessiert.
  • „Echte“ Erkenntnisse, weil Leute nach Antworten suchen, die sie wirklich brauchen.
  • Umgang mit Theologisch wissenschaftlichem Material wird gelernt.
  • Predigt untereinander – kürzere und natürliche Redevorträge -> dadurch mehr Konzentration, Abwechslung und mehr Weite an theologischen Richtungen.
  • Der hl. Geist kann durch viele sprechen und bekommt nicht nur die Chance, das durch einen Prediger zu tun.
  • Diese Methode begünstigt: Dialogfähigkeit, Respekt gegenüber anderer Meinung, selbst der sich selbst als“Geringste“ fühlende kann sich einbringen.

Laufzettel:

  • Bitte lese den Bibeltext in 1. Thessalonicher 5,12-22.
  • Schreibe, so kurz wie möglich, was der Text bedeutet (Zusammenfassung).
  • Fällt dir etwas auf? Gibt es ein Wort was deine Aufmerksamkeit bekommt oder hast du Fragen zu einem Vers? Forsche in den jeweiligen Kommentaren, PC Bibelprogrammen, Lexikas oder in Diskussionen mit anderen nach Antworten.
  • Falls du keine Frage hast oder fertig bist, such dir eine Anweisung von Paulus aus. Was bedeuten diese genau? Was sollen wir tun? Bitte forsche so, das du es erklären könntest.
  • Ein Blatt mit Abkürzungen und deren Erklärung liegt beim Laptop. Außerdem liegen dort Bücher, in denen du einzelne Wörter nachschlagen kannst (Lexika) und weitere Kommentare zu unserem Bibeltext.
  • Wir wollen uns gegenseitig mit unseren Erkenntnissen bereichern. Es wäre super, wenn du bereit bist dein Wissen vorzutragen, damit wir auch davon lernen. Der Heilige Geist spricht zu jedem teils individuelle Sachen. Selbst eine Frage kann von ihm kommen und so spricht Gott durch dich zu uns. Wenn du willst schreib dir auf die Rückseite des Blattes, was du sagen willst.

1 Kommentar(e)

  1. Vielen Dank für diese coole Idee. Werde ich auch mal ausprobieren.


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